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Dr. Bernd Krysmanski


"Verfallene Blätter und deren Strukturen ... bilden den Schwerpunkt für die Themen ihrer Arbeiten."


Wer jemals mit einer Lupe bewaffnet die Laubstreu eines Waldbodens aus der Nähe betrachtet hat, wird ganze Stufen der Streuzersetzung z.B. von Blättern eines Buchenwaldes auf Petra-Marita Sadowski's Arbeiten wiederfinden. Soviel sei angedeutet: Die Zellschichten eines Blattes, die sich zwischen den sogenannten Leitbündeln, volkstümlich auch Blattadern genannt, befinden, werden zuerst vom riesigen Heer der Keinstlebewesen, den verschiedenartigsten Bodeninseken, Pilzen, Bakterien, zersetzt. Was übrigbleibt, sind fädige Strukturen - eben die Blattadern -, netzartig verzweigt, in ihrem Verlauf (auch wenn es banal klingen mag) schön anzusehen. Derartige lineare Strukturen, mit Nadel und Faden nachempfunden, bedecken bei Petra-Marita Sadowski ausgewähltes erdfarbenes Gewebe. Stoffliches Gewebe steht für pflanzliches Gewebe. Durchbrochene Gaze, isolierte Gewebeinseln, zerfetzter und zerteilter Stoff, Filz mit eingebrannten Löchern, eingespannt in ein graphisch wirkendes Liniennetz aus Fäden, dies alles steht für den natürlichen Zersetzungsprozeß pflanzlichen Materials.


Frühe Naturstudien, auch fotografischer Art, Zeichnungen von Laubbäumen im Frühwerk der Künstlerin - hier in dieser Ausstellung leider nicht zu sehen - verweisen auf eine intensive Beschäftigung mit der Natur. Ausgehend von solchen Studien fand Petra-Marita Sadowski letztlich das Material, das ihren Vorstellungen von den Prozessen des Werdens und Vergehens in der Natur am nächsten kam. Die Anordnung der Stoffe, das Ziehen der Fäden ist ein Schaffensprozeß, ähnlich den Wachstumsprozessen in der Natur, ähnlich organisch. Das Endergebnis aber ist bereits das Gegenteil des Wachstums: der Beginn der Zersetzung.. Aus dem zersetzten Material aber entsteht wieder neues Leben. Ein ständiger Kreislauf.


Unwillkürlich fühlt man sich bei Petra-Marita Sadowskis Vorgehen an die Worte des großen Franz Marc erinnert, der 1910 schrieb:


"Ich suche mein Empfinden für den organischen Rhythmus aller Dinge zu steigern, suche mich pantheistisch einzufühlen in das Zittern und Ringen des Blutes in der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft - suche das zum Bilde zu machen, mit neuen Bewegungen und mit Farben, die unseres alten Staffeleibildes spotten..."


Petra-Marita Sadowski erreicht dies wie keine zweite mit den Mitteln der Textilkunst. Beate Pfannschmidt, Dozentin für textile Kunst an der Gesamthochschule Paderborn, meint in diesem Zusammenhang:


"Die Textilkunst der Gegenwart birgt ungeahnte Möglichkeiten in sich, Vorgänge unserer Umwelt, in der Natur und im menschlichen Leben anschaulich und sogar fühlbar zum Ausdruck zu bringen. Sie kann dazu beitragen, unsere Umwelt besser und tiefer zu verstehen."


Wie Sie an den ausgestellten Werken unschwer erkennen können, hat Petra-Marita Sadowski in einem fortschreitenden Abstraktionsprozeß, der entfernt an das Vorgehen Piet Mondrians erinnert, die ursprünglich eng an die Natur angelehnten Strukturgebilde in neueren Arbeiten verfremdet, abgewandelt. Freiere Formen entwickeln sich nun auf dem flächigen Untergrund, eine Tendenz zur stärkeren Verräumlichung und Reliefhaftigkeit ist unverkennbar. Ausgangspunkt aller Arbeiten bleibt dennoch die Natur. In jüngerer Zeit auch die unbelebte Natur: Strukturen, wie sie Wind und Regen - Naturkräfte also - im Gestein hinterlassen haben, werden mit Textilien nachzubilden versucht. Die sonst unbeachtete Form eines Pflastersteins wird plötzlich interessant.

Volksbank Soest

Kulturkreis Dinslaken


B. Krysmanski
B. Krysmanski



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